ZHAW School of Applied Linguistics DiDiLab
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Digital Discourse Lab

Digitale Diskurse prägen die Gesellschaft und ihre Akteure. Das Digital Discourse Lab (DiDiLab) schafft die Voraussetzungen, um den öffentlichen Sprachgebrauch und seine Muster zu untersuchen. Diese Seite bietet Zugänge zum Forschungsdesign (Diskurslinguistik in Anwendung, DIA) und zur digitalen Analyseplattform für das Textkorpus Swiss-AL.

Diskurslinguistik in Anwendung

Illustration of Applied Discourse Linguistics

Gesellschaftsprägende Diskurse entwickeln sich aus Mustern des öffentlichen Sprachgebrauchs. Diskurslinguistik in Anwendung (DIA) schafft die Voraussetzungen, solche Muster zu untersuchen. Die Erkenntnisse können für Forschung, Organisationen oder Projekte der Transformation genutzt werden. Eine ausführliche wissenschaftliche Darstellung ist

Dreesen, Ph. & Stücheli-Herlach, P. (2019): Diskurslinguistik in Anwendung. Ein transdisziplinäres Forschungsdesign für korpuszentrierte Analysen zu öffentlicher Kommunikation. In: Zeitschrift für Diskursforschung 7/2: 123-162. PDF Download

Eine Zusammenfassung des Forschungsdesigns findet sich

Mit DIA wird das Ziel verfolgt, die kommunikativen Bedingungen zu erfassen, die uns im Denken und Sprechen über Gegenständen prägen. Dies betrifft relevante Fragen wie: Wieso sprechen wir in einer bestimmten Art und Weise zu Corona? Sind wir uns der eigenen Denk- und Sprechweise bewusst? Wollen wir diese ändern? Wie sprechen andere Personen und Organisationen? Wie können wir Positionen im Diskurs erkennen und verändern?

Die Beantwortung solcher und ähnlicher Fragen gelingt, indem im DIA-Forschungsdesign vier Module durchlaufen werden: Die Modellierung (Modul 1) bildet die Grundlage sowohl für die Messung (Modul 2) als auch für die Interpretation (Modul 3). Beide führen zu Simulationen perspektivischer Erkenntnisse, die gemeinsam mit Praktikern weiterentwickelt werden können (Modul 4).

(1) Modellieren von Diskursen: Wir wählen, sichern und bearbeiten wichtige Daten des öffentlichen Sprachgebrauchs. Der "Diskurs" wird dabei als ein Modell über die Wirkung sozialer Zeichenprozesse verstanden. Dies manifestiert sich in Form eines Textkorpus, mit dem der öffentliche Sprachgebrauch erfasst, analysiert und ausgewertet werden kann. Dabei werden u.a. folgende Aspekte behandelt: Welcher Zeitraum, welche Akteure, welche Sprachen etc. fliessen in die Modellierung des Diskurses ein?

(2) Messen von Diskursen: Wir erheben, quantifizieren und vergleichen relevante Sprachgebrauchsmuster in den Daten unseres Modells. Mit dem Wissen über die Eigenschaften des Korpus (z.B. Anzahl und Länge der Texte) und dem grundlegenden Verständnis, Muster im Sprachgebrauch finden zu wollen, können nun Analysekategorien der Korpuslinguistik und NLP eingesetzt werden: Hierzu gehören statistisch auffällige Wort- und Satzmuster gemessen an Akteuren, Zeiträumen; Keyword-Berechnungen; semantische Distribution etc.

(3) Interpretation von Diskursen: Wir beschreiben, erklären und deuten die im Modell erkannten und vermessenen Muster des Sprachgebrauchs. Bei der Interpretation gewonnener Messresultate rücken Fragen nach den Akteuren der öffentlichen Kommunikation ins Zentrum, z.B.: Was sind dominante Themen und Einstellungen in Diskursen? Wie wird argumentiert, was sind prägende Metaphern? Wie grenzen sich Akteursnetzwerke von Organisationen voneinander ab?

(4) Simulation von Diskursen: Wir integrieren die bisherigen Befunde und konfrontieren sie mit praktischen Fragestellungen, die wir aus unterschiedlichen Perspektiven beantworten können, z.B: Wie gelingt es, ähnlich zu kommunizieren wie ein erfolgreiche Organisation? Welche sprachlichen Ausdrücke sind eher ungeeignet, weil sie kaum verwendet werden? Die Vorstellung des Diskurses als ein Modell ermöglicht nun das Spiel mit sprachlichen Möglichkeiten vor dem Hintergrund von Erwartungen und Vorstellungen der Praxis, d.h.: Die Simulation ermöglicht die Berücksichtigung unterschiedlicher Diskursperspektiven und hilft so bei der Entscheidungsfindung etwa im strategischen Kommunikationsmanagement.

Projekte

Die Forschungsteams des Digital Discourse Lab (DiDiLab) haben mehrere Projekte für Praxispartner realisiert. Sie bieten Erkenntnisse über gesellschaftsprägende Diskurse und entsprechende Muster des Sprachgebrauchs. Diese Seite bietet Zugang zu ausgewählten Projekten und ihren Erkenntnissen.

SWISS-AL

Gesellschaftsprägende Diskurse entstehen aus Mustern des öffentlichen Sprachgebrauchs. Grundlage für deren Analyse ist das Korpus Swiss-AL. Es handelt sich um das grösste mehrsprachige Korpus in der Schweiz und umfasst Texte von über 150 relevanten Akteuren öffentlicher Kommunikation. Auf dieser Seite können grundlegende Informationen über das Korpus abgerufen werden.

Size of Swiss-AL subcorpora in tokens and texts (June 2019)
(sub)corpus tokens texts
.ch Swiss-AL-DE-CHE 700,789,708 1,299,510
Swiss-AL-FR-CHE 342,728,211 612,286
Swiss-AL-IT-CHE 150,688,050 386,935
.de Swiss-AL-DE-DEU 215,253,374 707,600
social-media Swiss-AL-twitter 128,714,764 4,882,407
Swiss-AL-forums 9,813,273 105,186
Swiss-AL (total) 1,547,987,380 7,993,924

Eine ausführliche wissenschaftliche Darstellung ist

Krasselt, J./Dreesen, Ph./Fluor, M./Mahlow, C./Rothenhäusler, K. & Runte, M. (2020): Swiss-AL: A Multilingual Swiss Web Corpus for Applied Linguistics. In: Proceedings of the 12th Language Resources and Evaluation Conference, 4138–4144. Marseille, France. PDF Download.

Workbench

Gesellschaftsprägende Diskurse in der Schweiz können mit dem digitalen Swiss-AL-Korpus untersucht werden. Diese Seite bietet Zugang zu dessen Workbench. Darauf können Analysen zu Wortgebrauch, Themenfeldern und Diskursnetzwerken in einzelnen Teilkorpora abgerufen werden. Sie bilden die Basis für anwendungsorientierte Interpretationen in Praxis- und Transformationsprojekten

Über das Lab

Das Digital Discourse Lab ist Teil des Departements Angewandte Linguistik der ZHAW. Das DiDiLab besteht aus Experten_Innen der digitalen Linguistik, der Diskurslinguistik sowie der Organisationskommunikation. Das Lab unterstützt seine Partner und Auftraggeber beim Kompetenzaufbau im Umgang mit öffentlichen Diskursen sowie bei der Entwicklung kommunikativer Lösungen. Das Lab arbeitet mit und für die Praxis an Problemen mit gesellschaftlicher Relevanz. Zu diesem Zweck modelliert, analysiert und simuliert das Lab öffentliche Diskurse basierend auf digitalen Sprachdaten.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an Publikationen, die bisher im Rahmen der Diskurslinguistik in Anwendung entstanden sind:

  • Dreesen, Ph. & Stücheli-Herlach, P. (2019): Diskurslinguistik in Anwendung. Ein transdisziplinäres Forschungsdesign für korpuszentrierte Analysen zu öffentlicher Kommunikation. In: Zeitschrift für Diskursforschung 7/2: 123-162. PDF Download
  • Stücheli-Herlach, P./Ehrensberger-Dow, M. & Dreesen, Ph. (2018): Energiediskurse in der Schweiz: Anwendungsorientierte Erforschung eines mehrsprachigen Kommunikationsfelds mittels digitaler Daten (Working Papers in Applied Linguistics 16). Winterhur: ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. PDF Download
  • Borghoff, B. & Stücheli-Herlach, P. (2018): Antibiotikaresistenzen auf die Agenda! Schlussbericht zur anwendungsorientierten Erforschung von Mustern der sprachlichen Verständigung im öffentlichen Diskurs über Antibiotikaresistenzen mittels digitaler Daten. ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. PDF Download.
  • Runte, M. & Krasselt, J. (2020): Schlagwörter im Schweizer Energiediskurs. Korpuslinguistische Methoden zur Identifikation salienter Lexik im Diskurs. In: Derya Gür-Seker (Hrsg.), Wörter, Wörterbücher, Wortschätze. (Korpus-)Linguistische Perspektiven. Duisburg: Universitätsverlag Rhein-Ruhr. PDF Download
  • Krasselt, J./Dreesen, Ph./Fluor, M./Mahlow, C./Rothenhäusler, K. & Runte, M. (2020): Swiss-AL: A Multilingual Swiss Web Corpus for Applied Linguistics. In: Proceedings of the 12th Language Resources and Evaluation Conference. Marseille, France, 4138–4144. PDF Download.
  • Dreesen, Ph./Krasselt, J./Runte, M. & Stücheli-Herlach, P. (im Druck): Triangulierende Operationalisierung der diskurslinguistischen Kategorie „Akteur“. In: Meiler, M. & Siefkes, M. (Hrsg.), Linguistische Methodenreflexion im Aufbruch. Berlin, Boston: De Gruyter.
  • Stücheli-Herlach, P./Tanner, P. & Batz, D. (2017): “Wenn Fukushima gar nicht gewesen wäre ...”: Diskursanalytische Zugänge zur Energiepolitik. In: Kleinberger, U. & Rosenberger Staub, N. (Hrsg.), Energiediskurs: Perspektiven auf Sprache und Kommunikation im Kontext der Energiewende. (Sprache in Kommunikation und Medien 10), Bern: Peter Lang, 21–40.

Digital Discourse Lab

Kernteam:
  • Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW)
  • Departement für Angewandte Linguistik
  • Theaterstr. 15c/17
  • 8400 Winterthur

Frequently Asked Questions

  • Können die mit Hilfe der Swiss-AL-Workbench erstellten Analysen und Visualisierungen für andere Zwecke verwendet werden (bspw. wissenschaftliche Publikationen, Lehre und Weiterbildung, etc.)?
  • Ja, die Ergebnisse dürfen weiterverwendet werden, jedoch stets mit dem Verweis auf die Swiss-AL-Workbench sowie das dort verwendete Teilkorpus. Die Visualisierungen enthalten bereits automatisiert eine Zitationsvorgabe, die in dieser Form übernommen werden sollte. Auch wenn nur einzelne Aspekte (wie beispielsweise Frequenzangabe für einzelne Wörter) übernommen werden, ist ein Verweis auf die Workbench sowie das verwendete Teilkorpus notwendig.

  • Wie kann die Workbench bzw. das Korpus Swiss-AL zitiert werden?
  • Das Korpus Swiss-AL kann mit Hilfe der folgenden Publikation zitiert werden:

    Krasselt, J./Dreesen, Ph./Fluor, M./Mahlow, C./Rothenhäusler, K. & Runte, M. (2020): Swiss-AL: A Multilingual Swiss Web Corpus for Applied Linguistics. In: Proceedings of the 12th Language Resources and Evaluation Conference, 4138–4144. Marseille, France. PDF Download

    Die Workbench sollte wie folgt zitiert werden:

    Swiss-AL Corpus Workbench (2020): https://swiss-al.linguistik.zhaw.ch. Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Winterthur.

    Die Zitation einzelner Analysen wird automatisch erzeugt und kann den entsprechenden Visualisierungen entnommen werden.

  • Besteht ein direkter Zugang zu den zugrundeliegenden Daten (d.h. die Möglichkeit, Volltexte zu lesen) bzw. kann ein solcher Zugang erworben werden?
  • Nein, ein direkter Zugang zu den zugrundeliegenden Daten, insbesondere zu den Primärdaten (Texte von Webseiten mit Schweizer Domain), ist aufgrund von Urheberrechtsbeschränkungen nicht möglich. Davon ausgenommen sind die Amtlichen Protokolle des Schweizer Parlaments (Amtliches Bulletin). Sie stehen innerhalb der Workbench über die Analyseplattform CQPWeb zur Verfügung (Korpus: PARLDEBATTEN). Alle anderen Teilkorpora von Swiss-AL sind nur in aggregierter Form zugänglich, d.h. mittels der angebotenen quantitativen Analysemethoden.

  • Woher stammen die Daten in Swiss-AL?
  • Die Daten in Swiss-AL stammen von den Webseiten ausgewählter Akteure der Schweizerischen öffentlichen Kommunikation sowie von ausgewählten Webseiten bundesdeutscher Onlinemedien. Die Webseiten werden auf regelmässiger Basis gecrawlt (unter Berücksichtigung von serverseitigen Beschränkungen wie beispielsweise Bezahlschranken) und mit Hilfe einer korpuslinguistischen Verarbeitungspipeline in ein annotiertes Textkorpus überführt. Eine ausführliche Beschreibung zur Datenherkunft findet sich in:

    Krasselt, J./Dreesen, Ph./Fluor, M./Mahlow, C./Rothenhäusler, K. & Runte, M. (2020): Swiss-AL: A Multilingual Swiss Web Corpus for Applied Linguistics. In: Proceedings of the 12th Language Resources and Evaluation Conference, 4138–4144. Marseille, France. PDF Download

  • Besteht die Möglichkeit einer Beratung, beispielsweise zur Benutzung der Workbench oder zur Durchführung spezifischer Analysen mit Hilfe der Workbench?
  • Für Beratungsanfragen wenden Sie sich bitte an korpuslinguistik[at]zhaw.ch. Bei Bedarf können Workshops zur Nutzung der Workbench durchgeführt werden.

  • Muss ich LinguistIn sein, um die Workbench nutzen zu können?
  • Die Swiss-AL-Korpusworkbench richtet sich sowohl an Experten aus dem Bereich der Linguistik als auch an linguistische Laien und Sprachprofis, d.h. Personen, die in ihrem beruflichen Alltag mit Sprache arbeiten. Ein grundlegendes Verständnis über die Art der vorliegenden Daten sowie die auswählbaren Methoden ist nötig, um Fragestellungen zielführend zu beantworten und keine fehlgeleiteten Interpretationen vorzunehmen. Dafür stehen insbesondere ein Glossar sowie eine Benutzerdokumentation zur Verfügung.